Weihnachtliche Frauenbilder

Annemie Saluz-ConradMan mag sich fragen, was an Frauenbildern weihnachtlich sein könnte. Es klärt sich aber schnell. Ich will allerdings voraus schicken, dass ich als Mann sicher kein Feind meiner Spezies bin, obwohl ich nachfolgend alle guten Gedanken den Frauen dieser Welt widme. Ich durfte als Sohn, Ehemann und Vater, aber auch in Politik, Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz die besten von ihnen kennenlernen und sogar – was ich heute noch gerne wäre – für eine sehr gute Zeit der Mitarbeiter einer klugen, charismatischen Chefin sein.

So sinnierend und mich erinnernd mache ich aus etwas Alltäglichem plötzlich etwas Spezielles, weil sich Gefühle der Freundschaft und der Dankbarkeit ausbreiten. Am Anfang der Gedankenkette steht meine Mutter, die uns fünf Brüder zusammen mit unserem Vater liebevoll, aber streng erzogen hat. Charakterbildung sollte uns Söhnen zuteil werden. Das elterliche Vorbild hat uns denn auch entsprechend geformt. Dass alle von uns im späteren Leben gerne und erfolgreich mit Frauen zusammengearbeitet haben und von ihren Chefinnen und Mitarbeiterinnen geschätzt worden sind, ist der ganze Stolz unserer Mutter gewesen. Als persönlichen Erfolg hat sie das jedoch nie betrachtet, obwohl sie dazu allen Grund gehabt hätte.

Wenn ich die mir gebliebenen Schulzeugnisse meiner verstorbenen Mutter betrachte und daran denke, dass sie trotz Bestnoten und akademischer Befähigung nicht einmal eine Berufslehre absolvieren durfte, macht mich das heute noch traurig. Ich bin aber vor allem stolz auf Mama. Sie musste mit elf Jahren in einer grossen Familie die verstorbene Mutter ersetzen und neben der Schule den Haushalt führen und in der Bäckerei meines Grossvaters als Verkäuferin arbeiten. Als junge Ehefrau und spätere Mutter von fünf Söhnen hat sie, fast unmittelbar an die Kindheit anschliessend, erneut eine riesige Arbeitslast getragen, weil sie neben dem Haushalt und neben der Kinderbetreuung auch beim Aufbau und Betrieb des eigenen Geschäftes eingespannt worden ist. Zeitlebens hat sich Mama darüber nie beklagt und sogar noch die Kraft gefunden, sich trotz aller Belastung autodidaktisch auf ein hohes Bildungsniveau zu hiessen. Wer wird da nicht begreifen, dass ich stolz auf meine Mutter bin? Jeder ihrer fünf Söhne verdankt ihr viel. Das Frauenbild, das sie uns zu vermitteln wusste, betrachte ich als das grösste Geschenk. Es hat mir frühzeitig die Augen geöffnet und mich, wie jeden von uns Söhnen, zum echten Frauenfreund gemacht. Daher ist es kein Zufall, dass wir immer wieder hervorragenden Frauen begegnen und deren Qualitäten wahrnehmen.

Allen Frauen von Mutters Art möchte ich in vorweihnachtlicher Zeit ein grosses Dankeschön aussprechen, ohne sie namentlich zu erwähnen. Die prominenten und die stets bescheiden im Hintergrund gebliebenen Frauen, die ich meine, werden sich beim Lesen dieses Textes ohnehin erkennen. Etwas Symbolik muss aber trotzdem sein. Daher habe ich vor diese Zeilen ein Bild von meiner Mutter gesetzt. Zudem stelle ich diesen Text einer ebenfalls bewundernswerten Frau zur Verfügung. Wenn er allenfalls auch auf deren Blogseite erscheint, wissen Sie mindestens in diesem Fall, wer gemeint ist.

Nach diesen Betrachtungen empfinde ich nur Dankbarkeit. Ist das nicht ein weihnachtliches Gefühl, liebe, kluge und gütige Frauen?

Peter-Jürg Saluz

3 Kommentare zu “Weihnachtliche Frauenbilder

  1. Lieber Peter, das, was du über deine Mama schreibst, gilt genauso auch für meine. Sie war eine wunderbare Frau, ich habe sie geliebt, und sie hat mich geliebt. Ihre Liebe zu spüren, ja, sich ihrer Liebe gewiss zu sein, war wohl das Wichtigste für mich und hat mich bestimmt sehr geprägt. Denn sie hat mir durch ihr bedingungsloses Zu-mir-Stehen dieses Selbstbewusstsein gegeben, das so wichtig für mich war. Und das für jeden Menschen wichtig ist …

    Die Liebe einer Mutter ist das schönste (Weihnachts)Geschenk, das ein Mensch je bekommen kann.
    Und es ist in meinen Augen auch das wichtigste Geschenk. Liebe, ohne Verzärtelei, ohne Ansprüche, ohne verklärte Sichtweise. Sondern Liebe, die dem Kind zeigt: So wie du bist, bist du wunderbar!

  2. Nur eine kurze Duplik, Renate: Jetzt weiss ich definitiv, warum auch Du so eine viel bewunderte Frau geworden bist.

  3. Lieber Peter, da irrst du dich. Ich bin nicht bewundert, sondern eher unbeliebt.

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