weihnachtsengel

Was Weihnachten wirklich ist

Eben bekam ich eine E-Mail von Karin Zimmermann. Sie ist Autorin von “Märchenhafte Lichtblicke” und wir beide stehen in regem Kontakt.

Frau Zimmermanns Weihnachtserlebnis hat mich zu Tränen gerührt und ich musste es veröffentlichen, denn es beschreibt, was Weihnachten wirklich ist bzw. sein sollte.

Versprochen ist versprochen

Vergangene Woche habe ich ein älteres Ehepaar, das ich schon länger kenne, besucht. Er leidet unter einem inoperablen Gehirntumor und sie pflegt ihn. Allerdings ist sie vor einigen Wochen gestürzt: Beinbruch. Sie läuft immer noch mühsam auf zwei Krücken.

Ich habe ihnen einen selbstgebastelten Engel mit Lichterkette geschenkt. Quasi einen Schutzengel, der auf beide aufpassen soll.

Sie waren so überwältigt. Ich finde keine Worte, diese Freude zu beschreiben. Es war die erste weihnachtliche Dekoration in dem schönen kleinen Häuschen … und das wenige Tage vor Heilig Abend.

Sie konnten bislang nichts dekorieren. Dabei bewunderte ich jedes Jahr ihre tolle Sammlung der kleinen beleuchteten Keramikhäuser – eine richtig kleine Stadt stand sonst immer auf den Fensterbänken im gemütlichen Erker. Dieses Jahr: nichts außer ein paar Blumentöpfen, die auch schon bessere Tage gesehen hatten.

Keiner von beiden könne die Treppe in den Keller gehen. Dort stünden die Kartons mit der Weihnachtsdekoration.

Ich sah diese Traurigkeit in ihren Augen. Vielleicht ihr letztes gemeinsames Weihnachtsfest. So was geht einem nahe.

Mein Terminkalender ist voll. Ich habe selbst Müh und Not, über die Runden zu kommen. Mein Gehirn flüsterte: „Nein. Du kannst nicht. Beim besten Willen, da ist keine Zeit dafür.“ Mein Herz und Bauch sagten laut: „Soll ich für Euch schmücken?“

„Das würdest Du machen?“ Und schon hielt sie mich in den Armen.

Wir vereinbarten für die nächsten Tage einen Termin. Genau in der Nacht davor bekam ich einen Migräneanfall. Eigentlich wusste ich nicht, wie ich überhaupt aufstehen sollte, aber irgendwie schaffte ich es. Zumindest musste ich absagen. Oder den Termin verschieben.

Mein Handy blinkte. Die Frau hatte geschrieben, wie sehr sie sich auf das Schmücken heute freute.

Ich brachte es nicht übers Herz, abzusagen.

Kennt ihr dieses Gefühl des „Arschbackenzusammenkneifens“? Sorry, dass ich das so direkt ausdrücke, aber in dem Moment war es wirklich so. „Ist doch nur fiese Migräne“, sagte ich mir. „Stell Dich nicht so an.“

Irgendwie schaffte ich es, mich anzuziehen. Noch vorsichtshalber Tabletten eingeworfen, obwohl die mitten im Migräneanfall eh nichts mehr bringen. Nüchtern (das ist wichtig bei Migräne) und mit Sonnenbrille fuhr ich zu dem Ehepaar.

Ganz aufgeregt hat sie mich empfangen. Er war bereits weg zur Tagespflege. Ich sähe sehr blass aus, bemerkte sie allerdings. Das Klingeln an der Haustüre ersparte mir eine Antwort.

Eine Haushaltshilfe. Sie bekam für diesen Tag eine zweistündige Haushaltshilfe. Die schickte mir echt der Himmel. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Zusammen mit der lieben netten Haushaltshilfe – vielen Dank, dass es solche Menschen wie Euch gibt!!! – haben wir unter Anweisung der alten Dame zumindest das Wohnzimmer in einen weihnachtlichen Traum verwandelt. Obwohl die Haushaltsgehilfin älter war als ich, stieg sie hoch, um die weihnachtliche Dekoration aufzuhängen … ich konnte nicht nach oben gucken, ohne Sternchen zu sehen … obwohl die auch zu Weihnachten passten!

Nach guten drei Stunden waren wir fertig. Alles wieder aufgeräumt und die Haushaltshilfe hatte sich verabschiedet.

So saß ich noch ein wenig mit der alten Dame im geschmückten Erker und bestaunte die kleine beleuchtete Stadt. „Ist das nicht wunderschön?“, fragte sie. Ich sah in ihre Augen und genau in diesem Moment habe ich es gespürt: Das ist Weihnachten. Geschenke, die nicht mit Geld zu bezahlen sind. Und Weihnachten ist nicht nur am 24. Dezember. An jedem Tag kann ein klein wenig Weihnachten sein.

An Heilig Abend werde ich an die beiden denken – wie sie in ihrem geschmückten Wohnzimmer sitzen und zusammen Weihnachten feiern. Wahrscheinlich ihr letztes gemeinsames Weihnachtsfest.

Wieder einmal hat es sich bewahrheitet: Das Schönste, was man einem Menschen schenken kann, ist Zeit. Denn damit schenkt man ein Stück vom eigenen Leben.

Karin Zimmermann

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