krippe

Was ist Weihnachten?

Eleisa. So heisst das dunkelhaarige kleine Mädchen mit den großen braunen Augen. Sie wohnte erst seit kurzer Zeit mit ihren Eltern in der kleinen Stadt. Sie und ihre Eltern sind Flüchtlinge und haben einen weiten anstrengenden Weg hinter sich.

Eleisa fand ihre neue Heimat sehr aufregend. Täglich entdeckte und erlebte sie Neues. Vieles ergab für sie keinen Sinn, aber die Vielfältigkeit beeindruckte sie.

Und so kam die Adventszeit. Eleisa staunte über die neonbeleuchteten Straßen und Schaufenster. Dort, wo sie herkommt, saß man oft bei Kerzenschein zusammen und hatte tagelang keinen Strom.

Sie beobachtete Kinder, die sich ihre Nasen an den bunten Schaufenstern platt drückten und wild gestikulierend auf das Spielzeug zeigten. Die roten Backen der Kinder verrieten ihre Aufgeregtheit. Nie zuvor hatte Eleisa so viele Spielsachen gesehen wie in diesen großen Fenstern.

Eleisa war nicht unglücklich. Sie freute sich, endlich wieder alleine auf die Straße gehen zu dürfen. Sie musste nicht befürchten, dass die Straße jeden Moment bombadiert werden könnte. Sie musste sich nicht ständig umdrehen, ob von irgendwoher eine Gefahr lauerte. Deshalb genoss Eleisa ihr neues Zuhause und ihre Sicherheit.

Was sie allerdings überhaupt nicht verstand, war dieses „WEIHNACHTEN“. Überall leuchteten diese Buchstaben. WEIHNACHTEN. An WEIHNACHTEN scheinen die Menschen sehr viel einzukaufen. Geschenke. Lebensmittel. Eleisa beobachtete, dass viele abgeholzte Tannenbäume auf dem kleinen Marktplatz verkauft und von den Menschen nachhause getragen wurden. Wozu brauchen die Menschen einen Tannenbaum?

Überall glitzerte und funkelte es. Und man hörte Musik mit Gesang und Glockenspiel. WEIHNACHTEN muss wirklich etwas ganz Besonderes sein, dachte sich Eleisa. Obwohl es für sie kein WEIHNACHTEN gab, verfiel sie wie die vielen anderen Kinder und Erwachsenen in eine weihnachtliche Vorfreude und Aufgeregtheit. Sie fragte ihre Eltern, was denn WEIHNACHTEN sei, aber auch die konnten es ihr nicht erklären.

Eleisa hatte in der kleinen Stadt noch keine Freunde gefunden. Ein paar Straßen weiter wohnte ein blonder Junge in ihrem Alter. Oft winkte er ihr zu, aber sie rannte immer verschüchtert ganz schnell davon. Sie verstand seine Sprache nicht. Ein paar Wörter kannte sie bereits, aber um sich mit ihm zu unterhalten, reichte es noch lange nicht.

Eines Abends, es war fast schon dunkel, lief sie wieder am Haus des Jungen vorbei und blieb überwältigt stehen. Strahlende Lichterketten schmückten Haus und Eingang. Beleuchtete Rentiere zierten den Garten. Und durch ein Fenster konnte sie sogar einen kurzen Blick auf den strahlenden Tannenbaum erhaschen.

So vertieft war sie in den Anblick, dass sie den Jungen neben sich gar nicht bemerkte.

„Hallo“ flüsterte der Junge zaghaft. „Ich bin Max und wohne hier.“

Erschrocken wollte Eleisa davonrennen, doch Max hielt sie fest. Er deutete mit der Hand auf das festlich beleuchtete Haus und sagte „Komm doch mit rein“. Eleisa hatte Angst. Doch als sie in die Augen des Jungen schaute, wusste sie, dass er ihr nichts Böses wollte.

Max nahm Eleisas Hand und führte sie ins Haus. Sie schritten ganz langsam durch den beleuchteten Hauseingang. Es war für Eleisa das erste Mal, dass sie so ein prächtiges Haus betrat.

Sie standen in einer wunderschönen Diele mit einer großen Treppe. Das Treppengeländer war mit Tannenzweigen und Strohsternen geschmückt. Auch hier strahlte eine Lichterkette ihr warmes Licht aus. Und wie herrlich es duftete. Nach Gewürzen und Gebäck.

Eleisas Augen wurden vor Erstaunen über das schöne Haus immer größer. Sie entdeckte einen mächtigen Kamin, in dem ein Feuer knisterte und eine herrliche Wärme verbreitete.

Und dann stand sie vor ihm. Dem mit bunten Kugeln, Sternen, Lametta und strahlenden Lichterketten geschmückten Tannenbaum. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so etwas Schönes gesehen. Es war, als würde ein Zauber von dem Baum auf sie übergehen. Sie konnte sich nicht sattsehen an ihm und schluckte die aufkommenden Tränen der Rührung hinunter. Dafür also holten die Menschen am Marktplatz den Tannenbaum ab. Um ihn ins Haus zu stellen und festlich zu schmücken.

Ihr Blick wanderte weiter zu den vielen bunt verpackten Geschenken, die unter dem Baum lagen. Bestimmt wohnen in diesem Haus sehr viele Kinder, dachte Eleisa.

Neben dem Tannenbaum nahm sie ein kleines Gebäude aus Holz wahr. Vor dem Gebäude saßen Menschen und Tiere. Das ganze sah aus wie ein Stall. In einer Krippe lag ein kleines Baby. Wie lieblich das kleine Kind anzusehen war.

Ihre Augen wanderten weiter durch den Raum und entdeckten in großen roten Buchstaben das Wort „WEIHNACHTEN“.

Überwältigt von dem Anblick und ihren Eindrücken nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und fragte Max: „Was ist WEIHNACHTEN?“

Max überlegte kurz. Sein Blick fiel auf den Christbaum. Die vielen Geschenke. Die Krippe. Und dann auf Eleisa, die auf eine Antwort wartete.

Er sah Eleisa tief in die Augen. Dann nahm er sie ganz fest in die Arme und drückte sie.

„Das ist WEIHNACHTEN“, flüsterte er ihr ins Ohr.

Und Eleisa verstand auch ohne große Worte.

WEIHNACHTEN ist nicht nur prunkvoller Lichterglanz, Geschenke, Festessen oder ein großer geschmückter Tannenbaum.

WEIHNACHTEN ist überall dort, wo die Menschen miteinander die Welt heller machen. Miteinander feiern. In Liebe und Harmonie.

Frohe WEIHNACHTEN!

Karin Zimmermann

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